35 Jahre Kulturgeschichte …

Aufgeschoben 
ist nicht aufgehoben!

Helmut Nöllgen setzt 2021 wieder auf mehr Begegnung


Stand: 13.01.2021

Es ist schon eine ebenso herausragende wie wagemutige Idee vom Kulturbüro Haus Felsenkeller gewesen: Nach der Schließung des Rewe-Centers am Weyerdamm, dem einstigen Toom-Markt – und noch früher Jumbo – sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr oberhalb der legendären Rollsteige auf 4.500 Quadratmetern eine ganze Reihe kultureller Veranstaltungen unter dem Titel „KulturEtage“ stattfinden, ehe das Gebäude komplett abgerissen wird.Künstler und Publikum freuten sich gleichermaßen. Die zweite Coronawelle aber machte eine Verschiebung dieser Events erst einmal zunichte ...


Helmut Nöllgen hofft auf eine baldige Entspannung der Coronalage und die Verlängerung der Nutzungsrechte bis Ende Mai , sodass die KulturEtage doch noch stattfinden darf.
Foto Helmut Nöllgen: © Schramm-Photographie

Das vergangene Coronajahr hat bekanntlich das kulturelle Leben nahezu eingefroren. Ob Großveranstaltungen oder Kleinkunstbühne – alles liegt auf Eis. WW-Events hörte deshalb einmal beim Haus Felsenkeller nach, wie denn die Planer und Macher bislang durch die Krise gekommen sind. Schließlich ist unter anderem die beliebte Spiegelzeltreihe ausgefallen, auch musste die freudig erwartete KulturEtage auf bislang unbestimmte Zeit verschoben werden.

Das Kultur-/ Jugendkulturbüro Haus Felsenkeller ist gar nicht, wie viele meinen, in öffentlicher Hand, sondern ein freier, souveräner eingetragener, gemeinnütziger Verein. So müssen 50% des Budgets bei der „normalen Kultur“ selbst erwirtschaftet werden und beim Spiegelzelt sind es sogar 70%. Somit sind alle Kulturprojekte immer ein nicht unerhebliches Risiko mit sehr viel Eigenverantwortung, Einsatz und auch viel Ehrenamt. Geschäftsführer Helmut Nöllgen berichtet jedoch in der Regel lobend über die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den Behörden. Vor allem bei der Planung und Umsetzung zur KulturEtage mussten unter anderem eine befristete Nutzungsänderung sowie ein kompletter Bauantrag gestellt werden, um die gewaltige Halle unter Einhaltung der Corona-Hygienekonzepte mit Tischen, Stühlen sowie Bühnen-, Ton- und Lichttechnik auszustatten. Die zweite Coronawelle verhinderte bislang den Start und die aktuellen Zahlen lassen einen genauen Start in der KulturEtage nicht zu. Nöllgen hofft zumindest, das es im März Veranstaltungen mit entsprechenden kulinarischen Angeboten geben wird. Vorsichtshalber läuft aber auch ein Antrag auf Verlängerung der Nutzungsrechte bis Ende Mai/Juni. Sofern die Abrissarbeiten noch nicht beginnen, würde die KulturEtage dann im 1. Halbjahr mit allen angekündigten Programmpunkten bespielt werden. 

„Es gab und gibt von allen Seiten viel Zuspruch für dieses ambitionierte KulturSonderprojekt. Es ist bereits viel Herzblut, Zeit und auch eine große Summe, die erfreulicherweise auch Bundesmittel des „Neustart Kultur Programms“ enthält, in die Aktion geflossen, denn es wird eine ziemlich krasse Location werden, die wir hier  initiieren“, so Helmut Nöllgen.

Der Uraltenkirchener (Michelbacher) gilt als eines der Zugpferde und Pioniere in Sachen Kultur im Westerwald. Von 1975 bis 1980 lernte Nöllgen in Berlin diverse Subkulturen sowie weite Kreise innerhalb der Kulturszene kennen und schätzen. Als der gelernte Tischler und staatlich anerkannte Erzieher 1981 nach Altenkirchen zurückkehrte, hatte er den festen Willen, im Westerwald Jugend- und Kulturarbeit aufzubauen und zu etablieren. Bis Mitte der 80er- Jahre erzielte er erste Erfolge durch Jugendkreativarbeit, insbesondere anhand von Lehmbauprojekten. Seit 1986 schließlich förderte er mit der Eröffnung des Haus Felsenkeller in Altenkirchen und der Installation einer Kleinkunstbühne jahrzehntelang talentierte Newcomer, leistete Aufbauarbeit von so manch einem inzwischen prominenten Namen. Stars, die ihm und der regionalen Verbundenheit zuliebe gerne auch heute noch in Altenkirchen auftreten. 

Neben solchen Publikumsmagneten wie dem Spiegelzelt seit 2001 oder dem Zeltkulturenfestival im AchtMaster Zirkuszelt in den 1990er-Jahren und vielen anderen ungewöhnlichen Veranstaltungen an ungewöhnlichen Orten präsentiert Nöllgen der Öffentlichkeit aber auch immer wieder großartige Künstler, die bis dahin noch keinen Durchbruch erzielt haben. Was ihn dabei antreibt, ist die Lust an Begegnungen mit kreativen Menschen und internationalen Künstlern, die teils unter prekären Umständen Musik, Theater oder Kleinkunst machen, dass es vor Spannung nur so prickelt. Und es gab so manche großartigen Begegnungen unter den vielen tausend Künstlern seit 1985. „Irgendwann schreibe ich ein Buch über 40 Jahre Backstage“, konstatiert Nöllgen mit einem Schmunzeln. 

Sorgen machen ihm hingegen die neuen Medien, die der Livekultur das Leben schwermachen. Und dazu noch die Distanz von Menschen, die sich in der Corona-Krise entwickelt habe. Sie werde eine lange Zeit brauchen, um sich wieder in eine Begegnungskultur zu wandeln. Die KulturEtage und das Spiegelzelt 2021 werden dazu gewiss einen wichtigen Beitrag leisten.

Programminfos aktuell unter: www.kultur-felsenkeller.de 

Zum Beitrag "Flaute für Superprojekt" im Supermarkt vom 29.11.2020 in der Sendung "Landesart im SWR-Fernsehen


Fotos KulturEtage: © Privat