Ein kleiner Ausblick auf bessere Zeiten …

30 Jahre Kultursommer Rheinland-Pfalz

WW-Events sprach mit Prof. Dr. Jürgen Hardeck, dem Geschäftsführer und künstlerischen Leiter des Kultursommer Rheinland-Pfalz


Stand: 08.01.2021

Seit nunmehr 30 Jahren ermöglicht der „Kultursommer  Rheinland-Pfalz“ große und kleine Projekte aller Kultursparten im ganzen Land. Er versteht sich als „Dienstleister“ für die Kulturszene des Landes, für seine Bürgerinnen und Bürger und seine Gäste. Seit einigen Jahren fusioniert mit der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, unter dem Vorsitz von Ministerpräsidentin Malu Dreyer, kümmern sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mainzer Büros, gemeinsam mit der Kulturabteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur unter der Leitung von Minister Prof. Dr. Konrad Wolf, derzeit auch um die Landesprogramme, mit denen die Landesregierung die Kulturszene in dieser schwierigen Zeit unterstützt …


Der Hachenburger Prof. Dr. Jürgen Hardeck war Mitbegründer des Kulturkreis Hachenburg e.V., dann dort Kulturreferent und ist seit über 25 Jahren Mitarbeiter im Kulturministerium des Landes und zugleich Geschäftsführer des Kultursommer Rheinland-Pfalz.
Foto: © Mathias Friedrich

WW-Events: Herr Hardeck, was sagen Sie grundsätzlich zur Lage?
Prof. Dr. Jürgen Hardeck: Die Pandemie beschleunigt zum einen Prozesse, die ohnehin im Gange waren, aber so langsam, dass die meisten sie noch gar nicht so richtig bemerkt hatten. Sie bedroht aber auch eigentlich kerngesunde Unternehmen – und unser soziales Leben. Darauf müssen wir Antworten finden. 

Derzeit geht ja noch nichts im Kulturbereich. Wann und wie könnte es denn wieder losgehen?
Ich hoffe, dass wir möglichst bald in eine Situation kommen, wo wir Kunst- und Kulturveranstaltungsorte wieder besuchen können. Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Kulturminister Konrad Wolf haben ja 15,5 Millionen Euro als Fördermittel für Künstlerinnen und Künstler und die Veranstalterszene in die Hand genommen und jüngst noch ein Programm namens „Lichtblicke“ aufgelegt. Es soll der besonders bedrohten Veranstaltungswirtschaft helfen, bis im Mai der Kultursommer so richtig beginnt, der wieder vieles ermöglichen wird. 
Das „Lichtblicke“-Programm hilft u.a. dem Koblenzer Café Hahn, das 2021 sein 40-jähriges Bestehen feiern kann. Ein unglaublich wichtiges Kulturzentrum für die ganze Region, dem wir ja auch die beiden großartigen Festivals „Horizonte“ und „Gauklerfestung“ auf der Festung  Ehrenbreitstein verdanken, die es natürlich auch diesen Sommer wieder geben wird.

Open air wird diesen Sommer doch bestimmt wieder einiges möglich sein?
Ja. Und ich hoffe, noch deutlich mehr als letzten Sommer, wo ja auch schon einiges stattgefunden hat. So waren z.B. die „Picknickkonzerte“ im Hachenburger Burggarten meines Erachtens eine sehr gute Idee, die auch diesen Sommer mit erweitertem Konzept von der Hachenburger Kulturzeit angeboten werden. „Rock im Feld“ in Rotenhain hat 25. Jubiläum! Auch im B-05 Gelände bei Montabaur wird, wie schon letzten Sommer, wieder spannende Kunst und Kultur im Freien erlebbar sein. Und Montabaur besinnt sich wieder auf seine Jazztradition mit einem neuen Festival in der Innenstadt, was mich persönlich sehr freut.

Und indoor?
Ich gehe davon aus, dass die Situation im Spätsommer so entspannt sein dürfte, dass das „Spiegelzelt-Festival“ Altenkirchen dieses Jahr stattfinden wird. Da sind ja wieder unglaubliche Künstler*innen dabei! Und auch die eigentlich immer ausverkauften Weltmusik-Konzerte von „Musik in alten Dorfkirchen“. Aber ich denke, auch schon das wunderbare „Festival der Spiritualität“ Ende April in Hachenburg könnte wieder gut gelingen.

Worauf dürfen wir uns denn 2021im Westerwald noch freuen?
Zum Beispiel auf die 20. „Westerwälder Literaturtage“. Sie beginnen schon im März und finden ja in allen drei Kreisen statt. Wieder ist da ein ganz ausgezeichnetes Programm in Vorbereitung, das sich nicht hinter der „LitCologne“ oder anderen großen deutschen Literaturfestivals verstecken muss. Und mit „Denkbares“ ist vor einigen Jahren noch eine gesellschaftspolitische Facette zum Kultursommer im Westerwald hinzugekommen.

Ist das kulturWERKwissen auch wieder dabei? Dort hat man ja Existenzsorgen geäußert.
Ja. Auch dort können wir mit den „Lichtblicken“ und der Förderung des Projekts „Eigenart“ helfen, bis es wieder besser wird. Wie ich hörte, hat das kulturWERKwissen aber auch viele andere Unterstützer gefunden. Das ist ein gutes Zeichen!

Haben Sie sonst noch ein paar Tipps für den Sommer?
Ich empfehle, auch mal Ausflüge in die nähere Umgebung zu machen.  Anlässe dazu könnten z.B. die Kultursommerfestivals am Rhein sein, ob RheinVokal, das MittelrheinMusikfestival oder die Internationalen Musiktage Koblenz, ob An den Ufern der Poesie oder die Rheinfels Saga, die Veranstaltungen in Namedy oder das Steampunkfestival in und um die wirklich faszinierende Sayner Hütte. Oder Angebote des Festivals „Gegen den Strom“ in den schönen Veranstaltungsorten an der Lahn, wie dem Marmorsaal im Kurhaus Bad Ems, der St. Kastorkirche in Dausenau oder dem Park des Steinschen Schlosses in Nassau. Ich selbst habe letzten Sommer die Hunsrück-Nahe-Region und Rheinhessen bei Wanderungen und Kulturveranstaltungen so intensiv kennengelernt, wie nie zuvor, und habe unglaublich schöne Erinnerungen daran. 

In diesem Jahr findet ja der dreißigste Kultursommer Rheinland-Pfalz statt. Ist er eigentlich noch zeitgemäß?
Gerade die ländlichen Räume haben, glaube ich, sehr von ihm profitiert und wir haben – nicht nur, aber auch nicht zuletzt durch den Kultursommer – eine Qualität und Vielfalt an Veranstaltungsangeboten und Ausstellungen im Land, von der wir vor über 30 Jahren kaum zu träumen gewagt hätten. Es steht aber in den nächsten Jahren ein Generationswechsel an, bei den Macher*innen ebenso wie beim Publikum. Dadurch werden sich Formate und Inhalte verändern – das ist aber natürlich nichts Neues. Die Offenheit dafür zeichnet den Kultursommer aus und so soll es auch in Zukunft sein.

Zum Kultursommer Rheinland-Pfalz mehr unter www.kultursommer.de


Das Festival „GauklerFESTung“ der Stadt Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein in der Regie des Café Hahn ist einer der Klassiker im Kultursommerprogramm.
Foto: © Pressebild Frey


Initiator Hanns-Josef Ortheil (Foto) und die langjährige Projektleiterin Maria Bastian-Erll haben mit den Westerwälder Literaturtagen ein beispielhaftes Regionalfestival begründet.
Foto: © Frank Stahl


Seit 25 Jahren begeistert die erfolgreiche Reihe „Musik in Alten Dorfkirchen“ ihr Publikum.
Foto: © Kleinkunstbühne Mon Tabor e.V.


Mit einer guten Idee der Pandemie getrotzt haben einige letzten Sommer, so z. B. das „Wäller Autokino“ in Altenkirchen und die „Picknick-Events“ in Hachenburg, die es auch 2021 wieder geben wird. 
Foto: © Matthias Ketz