WW-Events im Gespräch mit Michael (Muli) Müller …

Getränke Müller von 100 runter auf 10 Prozent!

Mit Abholmarkt und Haus-Lieferservice
und neuen Ideen die Coronakrise halbwegs überstehen!


Stand 07.05.2020

Verfolgt man die WW-Events Veranstaltungstipps zu regionalen Kirmessen, Schützenfesten, vielen weiteren Festen oder Gastronomietipps, so stößt man seit nun mehr 20 Jahren immer wieder auf Getränke Müller, den „freundlichen Bierlieferanten“ aus Oberwambach. Hinter dem Familienunternehmen in der dritten Generation steht heute Michael „Muli“ Müller, der vor rund 10 Jahren das Unternehmen von seiner 
Mutter Christa übernahm. Mit seiner Frau Sonja baute er das Unternehmen aus und machte es zu dem, was es heute ist: Neben dem sehr gut sortierten Abholmarkt in Oberwambach ist Getränke Müller ein zuverlässiger, kompetenter und flexibler Partner für Gastronomen, Vereine, Firmen und Privatkunden. Hinzu kommt seit einigen Jahren als weiteres Standbein die Organisation, Durchführung und Bewirtung von Betriebsfeiern und Festveranstaltungen sowie Konzerten, wie die Formate „Rockende Wiedhalle“ oder „Rock im Zelt“ …

Wer hätte im vergangenen Sommer, als Getränke Müller sein 40-jähriges Jubiläum auf dem Betriebsgelände mit einem großen Fest feierte, gedacht, dass aufgrund einer Viruspandemie das Unternehmen von heute auf morgen auf einen Abholmarkt mit Heimliefer-Service heruntergefahren werden muss?! Und das unter besonderen Maßnahmen: Die Mitarbeiter/innen tragen bei der Auslieferung Mundschutz, Einweghandschuhe und verwenden regelmäßig Desinfektionsmittel. Der persönliche Kontakt zum Kunden wird vermieden, das Leergut bzw. Vollgut vor die Haustür gestellt, und die Zahlung erfolgt möglichst bargeldlos – am liebsten per Bankeinzug oder Überweisung. Beim Abholmarkt können Kunden gerne im Fahrzeug sitzen bleiben. Die Mitarbeiter ent- und beladen dann das Fahrzeug.


Mit seiner Frau Sonja führt Michael (Muli) Müller das Familienunternehmen, das er von seiner Mutter Christa vor rund 10 Jahren übernahm, erfolgreich.
Fotos: © Getränke Müller

Das Corona-Kontaktverbot gilt Stand 7. Mai 2020 nun bereits seit rund sieben Wochen. Seit 27. April besteht auch in Rheinland-Pfalz Maskenpflicht. Nach ersten kleinen Lockerungen seit dem 20. April, u. a. mit der Öffnung der ersten Geschäfte, scheint Deutschland nun zu einem Stück „Normalität“ zurückzukehren, denn Bund und Länder beschlossen am 6. Mai umfangreiche Lockerungen. So darf nun ab 13. Mai auch die Gastronomie unter Einhaltung der Hygieneschutz- und Abstandsregeln öffnen, gefolgt vom Hotelgewerbe ab 18. Mai. Mögliche Veranstaltungen lassen allerdings noch auf sich warten. 
Wie hat der „freundliche Getränkelieferant“ aus Oberwambach die vergangenen Wochen erlebt, wie sieht er die Zukunft für sein Unternehmen und für die Gastronomie?  Und wann rechnet er wieder mit den ersten großen Festen? WW-Events sprach mit Michael „Muli“ Müller. Nachfolgend ein kurzer Auszug des Gespräches am 7. Mai …

Claudius Leicher (WW-Events): Wann hast du deine letzte Veranstaltung durchgeführt und wie hast du die ersten Tage der Krise erlebt?  
Michael Müller: Karneval war das erste große und unser vorerst letztes Event in 2020! Da sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Ob Karneval 2021 in der gewohnten Form wieder stattfinden kann, wage ich aktuell zu bezweifeln. 
Der schlimmste Tag war Freitag der „13te“ – der 13. März 2020. Der Tag, an dem uns klar wurde, was hier eigentlich gerade passiert. Unzählige Telefonate und E-Mails mit fassungslosen Geschäftspartnern folgten. Eine Absage nach der nächsten prasselte auf uns ein. 

Claudius Leicher: Als einziger intakter Unternehmensbereich bleibt für euch aktuell nur noch der Abholmarkt mit Lieferservice. Lassen sich die laufenden Betriebskosten damit decken? 
Michael Müller: 90% vom normalen Umsatz sind bei uns weggebrochen: Gastronomie komplett weg, Bürgerhäuser dicht, keine privaten Feiern, null Veranstaltungen keine Sportvereine und kaum Firmenkunden. Normal laden wir kommende Woche 35 Kühlwagen, aktuell wird kein einziger geladen.
Der Abholmarkt hat zwar etwas zugelegt, weil die Supermärkte und Discounter überlastet waren und es noch sind, aber die Preiskämpfe in diesen Märkten machen uns das Leben schwer.
Wir versuchen uns aktuell auf den Haus-Lieferservice zu konzentrieren – das muss sich aber noch entwickeln. Das Ganze ist natürlich nur Schadensbegrenzung und ein Tropfen auf den heißen Stein. Auf Dauer überleben können wir davon nicht. Deswegen die große Bitte an euch alle: Denkt an uns Getränkehändler und an die ortsansässigen, lokalen Brauereien!

Claudius Leicher: Hast auch du Soforthilfe beantragt und erhalten? Wie viele Mitarbeiter beschäftigst du eigentlich? Musstest du für alle Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden?
Michael Müller: Wenn man 90% Umsatzeinbruch melden muss und von sechs festen Mitarbeitern jeden Tag aktuell nur eine Person zum Arbeiten kommen muss, hier im Hof ca. 40 Kühl- und Verkaufswagen nutzlos herumstehen, dann kann man sicherlich nachvollziehen, dass wir die Soforthilfe in Anspruch nehmen müssen. Wir haben unseren Antrag gleich am Montag, dem 30. März, eingereicht, mussten aber eine ganze Weile warten. Ende April haben wir dann endlich die dringend benötigte „Soforthilfe“ erhalten. Seit Mitte März besteht bei uns Kurzarbeit. 10 Beschäftigte arbeiten hier bei uns auf dem Hof und ca. 70 Aushilfen haben wir für die Veranstaltungen angemeldet. Dank Covid-19 mussten wir fast alle abmelden. An die Aushilfen denkt übrigens niemand in unserem Land!

Claudius Leicher: Ab 13. Mai darf nun auch die Gastronomie öffnen. Hättest Du tatsächlich damit gerechnet, dass es nun doch schon im Mai grünes Licht für die Gastronomie gibt? 
Michael Müller: Die Öffnung der Gastronomie hatte ich für Ende Mai auf dem Plan. Das es jetzt dann doch so schnell geht, war eigentlich nicht zu erwarten. Und dass jetzt auch die klassische Bierkneipe mit dabei ist, damit hatten selbst die Kneipenbetreiber nicht gerechnet. Ob es sich für diese wirklich lohnt aufzumachen, muss man schauen, wenn man die genauen Auflagen kennt.  Datenerfassung, Reservierung, kein Thekenbetrieb, Abstandsregelung, Gläserspülmaschine, bis 20:00 Uhr geöffnet …
Wie soll sich das rechnen ? Wer geht unter diesen Bedingungen gerne in die Kneipe, und wird dann noch regelmäßig von Polizei und Ordnungsamt kontrolliert!? Schauen wir.


Auch die Hachenburger Kirmes, die vom 8. bis 10. August 2020 hätte stattfinden sollen, wird nun Opfer der Coronakrise. Michael „Muli“ Müller und Ehefrau Sonja sind seit der Kirmes im 700. Jubiläumsjahr der Stadt (2014) Festwirt der Kirmesgesellschaft Hachenburg. Für Michael Müller ist es in diesem Jahr das größte Fest, das für ihn als Festwirt wegfällt! 
Foto: © www.datrock.de

Claudius Leicher: Feste und Festivals stehen vor der Tür. Doch bis zum 31. August bleiben auch in Rheinland-Pfalz Großveranstaltungen vorerst verboten. Konntest du in Erfahrung bringen, welche Veranstaltungen nun tatsächlich unter den Begriff Großveranstaltungen fallen? Welche bedeutenden Feste fallen dann für dich in diesem Jahr weg?
Michael Müller: Die Erklärung zur Definition „Großveranstaltung“ seitens unserer Landesschefin hat mich mehr als fasziniert. Hut ab! Kann man im Internet nachlesen … Aber mal egal, ob jetzt eine Großveranstaltung ab einer Besucherzahl von 500, 1000 oder 5000 gilt: Es wird in 2020 wohl keine Veranstaltung in dieser Größenordnung und der gewohnten Durchführung stattfinden können. 
Bedeutende Feste? Alle Veranstaltungen an jedem Wochenende sind für uns wichtig und bedeutend. Egal, ob klein oder groß. Natürlich sind für uns die Kirmes in Hachenburg, die Kirmes Hattert oder das Schützenfest Altenkirchen die größten Veranstaltungen. Es sollten in diesem Jahr aber auch noch einige große Jubiläumsfeste hinzukommen, aber das wird auch alles nichts.

Claudius Leicher: Darunter fallen ja dann auch deine eigenen Events wie der Klassiker „Rock im Zelt“ im Rahmen des Schützenfestes in Altenkirchen oder das beliebte zweitägige Oktoberfest in Neitersen. In diesem Jahr sollte „Rock im Zelt“ mit den drei Tributebands AB/CD, Iron Maidnem und Metakilla stattfinden. Wird das Lineup nun im Jahr 2021 übernommen?
Michael Müller: Ich habe am ersten Tag der Krise alle meine Veranstaltungs-Partner angeschrieben und nachgefragt, wie die Vertragsmodalitäten in den Zeiten von Corona gehandelt werden mit dem Ergebnis, dass alle unsere Partner hier zu 100% hinter uns stehen und keine NO-Show-Gebühren verlangen werden. Alle bereits gekauften Tickets für „Rock im Zelt“ behalten ihre Gültigkeit. Wann wir diese drei TOP Bands wo spielen lassen werden, werden wir rechtzeitig bekannt geben. Für Rock im Zelt 2021 hatte ich eigentlich schon eine Zusage von Völkerball!!


Schlechte Nachricht auch für viele Oktoberfestfreunde: Auch das Oktoberfest Neitersen – Müllers eigene erfolgreiche Festveranstaltung in der Wiedhalle – wird im Oktober 2020 noch nicht stattfinden können!
Foto: © Getränke Müller

Claudius Leicher: Wie siehst du die Veranstaltungswelt nach der Corona-Pandemie?
Michael Müller: Es wird anders werden! Der Schalter wird nicht einfach umgelegt und wir machen dann so weiter, wie vor Corona. Wir waren im Bereich Veranstaltungen auch an einem Punkt der totalen Übersättigung angelangt. Die Quantität der Events hat die Qualität schon seit Jahren eingeholt. Es wird anders werden, da bin ich mir sicher.
Wir sind gerade in der Planung, wie ein kleines Event mit 150 bis 250 Gästen als Aprés-Corona Veranstaltung aussehen könnte. Wir sind hier mit allen möglichen Mitteln und Partnern in der Planung. Wir brauchen hier sehr gute Konzepte, um ein lokales Ordnungsamt davon zu überzeugen, dass wir überhaupt noch in 2020 solche kleinen Feste feiern dürfen.
Ich habe viele gute Ideen! Man muss sehen, was man davon umsetzen kann und darf, natürlich immer unter dem Aspekt: Einhaltung der Corona-Regeln, Gesundheit geht immer vor. Aber ganz ohne soziale Kontakte wollen und können wir auf Dauer nicht klarkommen. Wir brauchen den passenden Impfstoff für alle, dann kann wieder gefeiert werden.

Claudius Leicher: Was möchtest du unseren Lesern in dieser außergewöhnlichen Zeit auf den Weg geben?
Michael Müller: Mein lieber Claudius. Deinen Lesern und somit unseren Kunden, kann ich nur wünschen, dass Deine, für die ganze Region sehr wertvolle Veranstaltungs-Zeitschrift bald wieder haufenweise tolle und schöne Veranstaltungen im Westerwald präsentieren kann! Deinen und meinen Kunden wünsche ich von ganzem Herzen: Bleibt besonnen. Bleibt aufmerksam. Bleibt informiert. Bleibt uns treu. Und bleibt gesund! Ich kann es nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich auf die erste APRÉS-Corona-Veranstaltung mit euch zusammen freue! 
 
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