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:: Ausstellung
Mittwoch, 12. Dezember 2018
bis Dienstag, 30. April 2019
StadtGalerie in der ehem. Mennonitenkirche, 56564 Neuwied
Schlossstraße 2

Die StadtGalerie Neuwied zeigt Spielzeug aus dem Wirtschaftswunder …
Kinderspielzeug ist von jeher ein reizvoller Spiegel der Gesellschaft. Die neue Ausstellung der StadtGalerie Neuwied dokumentiert anschaulich die spannende Entwicklung vom Nachkriegsmangel zum Wirtschaftswunder- Überfluss …

Nach den entbehrungsreichen Jahren des Zweiten Weltkrieges hatten die Deutschen in vielerlei Hinsicht ein immenses Nachholbedürfnis. In der unmittelbaren Nachkriegszeit herrschte jedoch in weiten Bereichen des täglichen Bedarfs erst einmal großer Mangel. Für die meisten Menschen war es das Wichtigste, überhaupt genug zu essen zu haben. Sehr anschaulich dokumentiert dies ein in der Ausstellung zu sehender Kinderkaufladen.

Dank Marshallplan, Währungsreform und einer enormen Leistungsbereitschaft der Menschen geht es allerdings bald wirtschaftlich aufwärts: Die Regale der Geschäfte füllen sich und es folgt eine Periode, die uns heutzutage als „Fresswelle“ geläufig ist. Um 1950 schließt sich die „Haushaltswelle“ an, die ein zeitgenössischer Chronist wie folgt beschreibt: „Als wir satt waren, entdeckten wir plötzlich die Löcher in unseren Teppichen, die Sprünge im Geschirr, die Risse im Oberleder unserer Schuhe. Also kauften wir, was das Portemonnaie, die Warenkreditgesellschaften und die Vorschüsse hergaben.“

Auch dies wird im Spielzeugbereich mannigfaltig dokumentiert, sei es durch gemütlich eingerichtete Puppenstuben, schick angezogene Puppen, Spielgeschirr oder Blechherde, die die Entwicklung vom Kohle- zum Elektroherd aufzeigen. Noch in der ersten Hälfte der Fünfziger folgt die „Reisewelle“. Nach vielen Jahren der kriegsbedingten Isolation stellten die Deutschen fest, dass sie noch gar nichts von der Welt gesehen hatten und sie begannen zu reisen.

In der Spielzeugwelt belegen dies höchst anschaulich Brettspiele, die sich um Urlaubsfahrten drehen oder auch die Reisemittel selbst, nämlich Flugzeuge, Eisenbahnen und Schiffe im Miniaturformat. Das Auto war bereits damals der Deutschen liebstes Kind. Das enorme Wirtschaftswachstum und die damit einhergehende rasant steigende Kaufkraft sorgten dafür, dass es binnen Kurzem zu einer Massenmotorisierung und verstopften Innenstädten inklusive Parkplatzproblemen kam. Ende der 1950er-Jahre wurden die ersten Parkhäuser gebaut und wenig später standen ihre spielgerechten Abbilder in den Regalen der Händler.

Auch der Traum von eigenen „kleinen Häuschen“ erschien für immer mehr Familien ein realistisches Ziel. Baukästen und Gesellschaftsspiele drehen sich um den Hausbau und das Angebot an Spielzeugbaggern und Baufahrzeugen ist riesengroß. Zudem herrschte eine regelrechte Fortschrittseuphorie, die Atomkraft galt als Heilsbringer der Zukunft und so ist es kaum mehr verwunderlich, dass 1958 ein Hersteller sogar ein Spielzeug-Atomkraftwerk im Sortiment hat. Aus dem einstigen Nahrungsmangel ist mittlerweile ein Überfluss geworden, die Menschen essen zu viel und werden zu dick – im Kinderkaufladen ist nun eine Spielpackung Abführmittel zu entdecken!

Die Elektrifizierung der Haushalte, die Entwicklung des Fernsehens zum Massenmedium und der Flug zum Mond in den 1960er-Jahren sind weitere Themenbereiche, die es in der Ausstellung zu entdecken gilt. Wer mag, kann aber auch einfach nur in nostalgischen Erinnerungen schwelgen oder diese an seine Kinder und Enkel weitergeben und ihnen zeigen: „Das hab‘ ich auch gehabt!“.

Öffnungszeiten:
Mi. 12:00-17:00 Uhr,
Do., Fr., Sa. 14:00-17:00 Uhr,
So. u. Feiertage 11:00-17:00 Uhr,
Gruppen nach Vereinbarung

Veranstalter:
StadtGalerie in der ehem. Mennonitenkirche aus dem Jahr 1768
Info-Telefon: 02631-20687
www.neuwied.de
Foto: © Wirtschaftswundermuseum.de


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